Kaum eine Einstellung sorgt am Faserlaser für so viel Stirnrunzeln wie die Frequenz. Wer vom CO₂- oder Diodenlaser kommt, hat diesen Wert nie gebraucht – diese Maschinen arbeiten meist im Dauerstrich. Der Faserlaser tickt anders: Er pulst. Und genau deshalb ist die Frequenz hier eine der wichtigsten Stellschrauben überhaupt. In diesem Beitrag erklären wir aus unserer täglichen Werkstattpraxis in Nürnberg, was dahintersteckt – ohne Physikstudium.
Frequenz heißt: Pulse pro Sekunde
Die Frequenz beschreibt schlicht, wie viele Laserpulse pro Sekunde abgegeben werden. Gemessen wird sie in Kilohertz (kHz):
- 1 kHz = 1.000 Pulse pro Sekunde
- 50 kHz = 50.000 Pulse pro Sekunde
- 100 kHz = 100.000 Pulse pro Sekunde
Trägst du in deiner Software (z. B. LightBurn) eine 50 ein, forderst du also 50.000 Pulse pro Sekunde an. Merksatz: Frequenzwert × 1.000 = Pulse pro Sekunde. Das ist keine Software-Eigenheit, sondern Physik gepulster Laser.
Warum der Faserlaser überhaupt pulst
Ein Faserlaser schickt keinen durchgehenden Strahl los. Er lädt Energie auf und entlädt sie blitzartig in sehr kurzen, sehr energiereichen Impulsen – wieder und wieder. Fürs Auge sieht das aus wie ein konstanter Strahl, technisch ist es eine Abfolge nach dem Muster Puls – Pause – Puls – Pause. Die Frequenz sagt, wie oft dieser Lade-Entlade-Zyklus pro Sekunde passiert. Genau das ist der fundamentale Unterschied zu CO₂- und Diodenlasern.
Zwei Effekte stecken in der Frequenz
1. Energie pro Puls
Wichtig zu verstehen: Die eingestellte Leistung (z. B. „50 Watt") ist eine Durchschnittsleistung über die Zeit – nicht die Leistung eines einzelnen Pulses. Vereinfacht gilt:
Pulsenergie ≈ mittlere Leistung ÷ Frequenz
Daraus folgt direkt: Wenige Pulse pro Sekunde (niedrige Frequenz) bedeuten mehr Energie pro Puls. Viele Pulse (hohe Frequenz) bedeuten weniger Energie pro Puls. Der Klassiker unter den Denkfehlern – „50 Watt bei 50 kHz, also hat jeder Puls 50 Watt" – stimmt nicht. Die Wattzahl verteilt sich auf alle Pulse der Sekunde. (Bei MOPA-Lasern kommt zusätzlich die einstellbare Pulsdauer ins Spiel, was die Sache noch feiner steuerbar macht.)
2. Pulsdichte und Überlappung
Oft heißt es: „Hohe Frequenz = mehr Überlappung." Das stimmt nur halb. Wie viele Pulse tatsächlich pro Millimeter Material landen, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Frequenz, Geschwindigkeit, Spotgröße und Linienabstand. Eine hohe Frequenz ermöglicht hohe Pulsdichte – erzwingt sie aber nicht. Erst wenn Tempo, Linienabstand und Fokus passen, entsteht echte Überlappung im Werkstück.
Was die Frequenz mit dem Material macht
| Niedrige Frequenz | Hohe Frequenz | |
|---|---|---|
| Pulse | wenige, energiereich | viele, energiearm |
| Oberfläche | rau, körnig, abtragend | glatt, fein, thermisch geprägt |
| Typische Effekte | starker Abtrag, Textur | Glätten, Anlassen (Annealing), Farbmarkierung |
| Gut für | tiefe, kräftige Gravuren | feines Markieren, Edelstahl-Farben |
Bei der Farbmarkierung auf Edelstahl wird übrigens kaum Material abgetragen. Durch kontrollierten Wärmeeintrag entstehen dünne Oxidschichten, die Licht unterschiedlich reflektieren – so werden Farben sichtbar. Das funktioniert nur im hohen Frequenzbereich, weshalb hier MOPA-Laser glänzen.
Die Hammer-Analogie – aber vollständig
Niedrige Frequenz wie ein Vorschlaghammer, hohe wie ein Finishing-Hämmerchen? Gutes Bild, aber unvollständig. Entscheidend ist nicht nur die Schlagstärke, sondern auch das Tempo: Bumm … Pause … Bumm gegen tack-tack-tack-tack. Erst Schlagstärke und Schlagdichte zusammen beschreiben, was Frequenz im Material wirklich tut.
MOPA oder Q-Switched? Der Frequenzbereich entscheidet
Wie weit du die Frequenz überhaupt drehen kannst, hängt von der Laserquelle ab:
- Q-Switched-Faserlaser: enger Bereich, oft 20–100 kHz. Günstiger, aber weniger flexibel.
- MOPA-Faserlaser: sehr breiter Bereich, ca. 1 kHz bis über 1.000 kHz, plus einstellbare Pulsdauer. Teurer, dafür feinste Kontrolle über Oberfläche, Wärmeeintrag und Farbe.
Ein Praxis-Hinweis, der oft übersehen wird: Viele MOPA-Quellen liefern unterhalb einer bestimmten Frequenz nicht mehr die volle Leistung und regeln intern herunter – obwohl die Software noch „80 %" anzeigt. Wer Frequenzen vergleicht, sollte das im Hinterkopf behalten, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen.
Der wichtigste Aha-Moment: Frequenz ≠ Tiefe
Der hartnäckigste Mythos lautet: „Niedrige Frequenz = viel Tiefe, hohe Frequenz = keine Gravur." Die Praxis zeigt etwas anderes. Die Frequenz bestimmt vor allem den Oberflächencharakter – grob oder fein, rau oder glatt. Die Tiefe dagegen entsteht durch die Energie pro Fläche, also durch:
- Geschwindigkeit (der stärkste Hebel!)
- Leistung
- Fokus
- Anzahl der Durchgänge
Warum ist die Geschwindigkeit der eigentliche Tiefenregler? Weil sie bestimmt, wie lange der Laser über einer Stelle verweilt. Langsamer heißt: mehr Pulse pro Millimeter, mehr Energie pro Fläche, mehr Abtrag. Solange Geschwindigkeit, Leistung und Linienabstand gleich bleiben, ist die Gesamtenergie pro Fläche fast identisch – egal ob sie aus wenigen kräftigen oder vielen sanften Pulsen besteht. Deshalb ändern Frequenzvergleiche meist deutlich den Look, kaum aber die Tiefe.
Kurz: Geschwindigkeit entscheidet, wie viel „Arbeit" der Laser leisten darf. Die Frequenz entscheidet, wie diese Arbeit ausgeführt wird – grob oder fein.
Drei Faustregeln zum Mitnehmen
- Niedrige Frequenz → kräftige Einzelpulse, geringe Dichte → aggressiv und rau.
- Hohe Frequenz → hohe Pulsdichte, mehr Wärme → glatt, fein, anlass-fähig (Farbe).
- Bei MOPA aufpassen: niedrige Frequenzen können die Leistung intern begrenzen – Vergleiche entsprechend planen.
Wer das verinnerlicht, hört auf zu raten und fängt an, das Ergebnis gezielt zu gestalten. Mehr zu Materialien, Maschinen und Möglichkeiten findest du auf unserer Seite zur Lasergravur in Nürnberg. Geht es dagegen um Textilien statt Metall, ist unser DTF-Druck das richtige Thema.
Häufige Fragen
Was bedeutet die Frequenz beim Faserlaser?
Sie gibt an, wie viele Laserpulse pro Sekunde abgegeben werden, in Kilohertz (kHz). 50 kHz = 50.000 Pulse pro Sekunde. Faustregel: Frequenzwert × 1.000 = Pulse pro Sekunde.
Macht eine niedrige Frequenz die Gravur tiefer?
Nein. Die Frequenz formt vor allem die Oberfläche. Tiefe entsteht über die Energie pro Fläche – also Geschwindigkeit, Leistung, Fokus und Anzahl der Durchgänge.
MOPA oder Q-Switched – was ist der Unterschied?
Q-Switched-Laser haben einen engen Frequenzbereich (oft 20–100 kHz) und sind günstiger. MOPA-Laser bieten einen viel größeren Bereich plus einstellbare Pulsdauer – ideal für Farbmarkierung und feine Effekte.
Kann ich bei CreaBlond Faserlaser-Gravuren machen lassen?
Ja. Wir arbeiten in Nürnberg mit Faser-, MOPA- und IR-Lasern und gravieren Metalle, beschichtete Materialien und Kunststoffe. Als xTool ProHub Partner sind die Maschinen bei uns live erlebbar.